Wikingerstricken

Wikingerstricken, auch als „Viking Knit“ bekannt, lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, wobei die meisten Funde aus der Zeit der Wikinger (800-1050 n. Chr.) stammen. Diese historische Handwerkstechnik wurde von den alten Nordvölkern zur Herstellung von feinen Drahtketten und Schmuckelementen genutzt. Solche Stücke galten als Zeichen von Wohlstand und wurden oft als Handelsware genutzt oder als persönliche Amulette getragen.

Mit Stricken im modernen Sinne hat das Wikingerstricken nichts zu tun. Dieses besondere Strickhandwerk erfordert keine Stricknadeln, sondern verwendet stattdessen dünnen Metalldraht, der kunstvoll geflochten wird. Noch heute ist Wikingerstricken beliebt unter Schmuckdesignern, Kunsthandwerkern und auch in der Bovelzumft.

Für das Wikingerstricken braucht man nur wenige Materialien und Werkzeuge.

Draht

Kupferdraht und Messingdraht (0,25 bis 0,40 mm) lässt sich leicht verarbeiten. Er ist als Basteldraht auch in verschiedenen Farben erhältlich.

Versilberter Draht und Edelstahldraht ist etwas steifer und lässt sich schwerer verarbeiten.

Sterlingsilber Draht lässt sich ähnlich verarbeiten wie versilberter Draht, ist jedoch entsprechend teuer.

Schmucksteine, Perlen oder Anhänger

Diese können in das Geflecht eingearbeitet werden, um den Schmuckstücken mehr Glanz und Individualität zu verleihen.

Verschlüsse und Endkappen

Für die Fertigstellung von Ketten und Armbändern können Verschlüsse und Endkappen verwendet werden, die das Drahtende abschließen und einen edlen Look schaffen. Diese sind auch im Bastelbedarf zu finden.

Strickstab

Der Strickstab ist ein runder Stab aus Holz mit einem Durchmesser von ca. 1 cm. Am oberen Ende befindet sich eine Führung für den Draht. Oft wird hier eine halbe Garnspule eingesetzt.

Ziehholz

Das Ziehholz oder Zugbrett dient dazu, die geflochtene Kette zu komprimieren und in die gewünschte Form zu bringen. Es hat Löcher in verschiedenen Durchmessern.

Werkzeug

Eine kleine Schmuckzange mit flachen, glatten Backen, um den Draht zu greifen und zu formen, ohne ihn zu beschädigen.

Ein Seitenschneider zum präzisen Abtrennen des Drahtes.

Der Arbeitsprozess

Gearbeitet wird mit Draht um den Strickstab. Es werden immer neue Maschen gebildet, indem man den Draht unter den Maschen der vorherigen Reihe hindurch fädelt. Die Maschen werden nicht gestrickt, sondern gefädelt. Sie sehen aber aus wie verschränkt gestrickte Maschen.

Um eine gleichmäßige, flexible Kette oder ein Armband zu erhalten, wird der gestrickte Schlauch durch immer kleinere Öffnungen des Ziehholzes gezogen. Dabei verschwinden Unebenheiten und Ungleichmäßigkeiten, das Schmuckstück wird dünner, flexibler und länger. Man nennt diesen Vorgang „Komprimieren“ oder „Kalibrieren“.

Es gibt viele Bücher und Videos über das Wikingerstricken. Der amtierende Bovelvoigt des Jahres 2025/2026, Honigbart Funkenschläger, und Baumeister Torsten beherrschen das alte Handwerk und zeigen gerne den Arbeitsprozess und die von ihnen gefertigten Schmuckstücke.

Diese Armbänder, Ketten, Halsbänder, Anhänger und Ohrringe wurden von den beiden angefertigt.