Wolle

Einer der bedeu­tends­ten Roh­stof­fe zur Her­stel­lung von Klei­dung und Tex­ti­li­en war im Mit­tel­al­ter die Wol­le. Sie ist wär­me­iso­lie­rend und hält dadurch im Win­ter schön warm und ist im Som­mer über­ra­schend ange­nehm zu tra­gen. Das beson­de­re an Wol­le ist die Fähig­keit, gro­ße Men­gen Feuch­tig­keit auf­zu­neh­men, ohne sich gleich nass anzu­füh­len. Wol­le kann bis zu einem Drit­tel ihres Eigen­ge­wichts an Was­ser spei­chern, ohne die Wär­me­wir­kung voll­stän­dig zu verlieren.

Die Her­stel­lung von Wol­le ist ein auf­wen­di­ger Pro­zess. Es beginnt mit dem Sche­ren der Scha­fe. Frü­her wur­den die Scha­fe von Hand mit Woll­sche­ren gescho­ren. Heut­zu­ta­ge kom­men elek­tri­sche Scher­ma­schi­nen zum Ein­satz, die ähn­lich wie Haar­schnei­de­ma­schi­nen funk­tio­nie­ren. Aber das Sche­ren wird immer noch von Hand durchgeführt.

Die gescho­re­ne Wol­le wird grob sor­tiert und stark ver­schmutz­te oder ver­filz­te Tei­le wer­den ent­fernt. Anschlie­ßend wird die Roh­wol­le gründ­lich gewa­schen, um das Woll­fett (Lano­lin), Schmutz und Pflan­zen­res­te zu entfernen.

Nach dem Waschen wird die Wol­le getrock­net. Dar­auf folgt das Zup­fen und Auf­lo­ckern. Hier wer­den die Fasern getrennt, Klum­pen und gro­be Ver­un­rei­ni­gun­gen wer­den entfernt.

Ein ent­schei­den­der Schritt ist das Kar­die­ren. Die Wol­le wird mit Hand­kar­den bear­bei­tet. Das sind Bret­ter, die eng mit klei­nen Metall­ha­ken besetzt sind. Durch das Käm­men in bei­den Rich­tun­gen wer­den die Woll­fa­sern gleich­mä­ßig aus­ge­rich­tet. Je gründ­li­cher das Kar­die­ren aus­ge­führt wird, des­to gleich­mä­ßi­ger wird spä­ter der Faden.

Nun beginnt das Spin­nen der Wol­le, die eigent­li­che Garn­her­stel­lung. Anfangs wur­den die Fasern mit einer Hand­spin­del zu Fäden gedreht. Gegen Ende des 12. Jahr­hun­derts gelang­te das Spinn­rad aus dem asia­ti­schen Raum nach Euro­pa und erleich­ter­te die­se Arbeit erheblich.

Um sta­bi­le Gar­ne zu erhal­ten, wer­den meh­re­re Fäden mit­ein­an­der verz­wirnt. Anschlie­ßend wird das Garn zu Knäu­eln oder Has­peln auf­ge­wi­ckelt, um es wei­ter­ver­ar­bei­ten zu können.

Bevor die Wol­le zum Bei­spiel durch Weben oder Nadel­bin­den zu Stof­fen und Klei­dungs­stü­cken ver­ar­bei­tet wur­de, hat man sie häu­fig gefärbt.

Wer sich ein­mal vor Augen führt, wie viel Zeit, Arbeit, Geduld und Erfah­rung nötig ist, um aus der gescho­re­nen Roh­wol­le einen Woll­fa­den ent­ste­hen zu las­sen, der wird die­sem ein­drucks­vol­len Hand­werk sicher eine gro­ße Wert­schät­zung entgegenbringen.