Brettchenweben

Brett­chen­we­ben (auch Plätt­chen­we­ben) hat eine sehr alte Geschich­te. Es ist jedoch schwie­rig, eine genaue Iden­ti­fi­zie­rung der ältes­ten Stü­cke vor­zu­neh­men. Bei Aus­gra­bun­gen wer­den sel­ten genug Tex­til­fun­de gemacht, da Tex­ti­li­en eine der­ar­ti­ge Zeit­span­ne nur unter beson­de­ren Bedin­gun­gen über­dau­ern. Den­noch gibt es Fun­de aus ganz Euro­pa und dem fer­nen Osten, die bele­gen kön­nen, dass die Brett­chen­we­be­rei bereits vor unse­rer Zeit­rech­nung aus­ge­übt und bis in das 15. Jahr­hun­dert wei­ter­ge­führt wur­de. Bei­spiels­wei­se wur­den im Ose­berg­schiff in Nor­we­gen Web­brett­chen und ein Web­stuhl gefun­den, die auf 850 n. Chr. datiert wurden.

Beim Brett­chen­we­ben han­delt es sich um eine Form der Band­we­be­rei, die mit soge­nann­ten „Brett­chen“ aus­ge­führt wird. Es wird nicht unbe­dingt ein Web­stuhl benö­tigt. Zunächst braucht man nur die Brett­chen, Garn, einen Gür­tel, ein Band, eine Stick­na­del und eine Sche­re. Zum Füh­ren des Schuss­fa­dens ist ein Schiff­chen hilf­reich. So kann man sich ohne gro­ßen Auf­wand die­ser schö­nen alten Hand­ar­beit widmen.

Je nach ver­wen­de­ter Tech­nik wer­den Brett­chen mit einer unter­schied­li­chen Anzahl Löchern ver­wen­det. Am ver­brei­tets­ten sind wohl Brett­chen mit 4 Löchern. Die Anzahl der Brett­chen und die Stär­ke der Kett­fä­den bestim­men die Brei­te des ent­ste­hen­den Gewe­bes. Die Flä­chen der Brett­chen ste­hen par­al­lel zur Ket­te. Durch das Dre­hen der Brett­chen, in die eine oder die ande­re Rich­tung ent­steht ein Web­fach, durch das der Schuss­fa­den ein­ge­zo­gen wird. Durch die Wie­der­ho­lung die­ses Vor­gangs ent­steht nach und nach ein fes­tes Gewebe.

Das Mus­ter ent­steht durch das Auf­schä­ren der ver­schie­den­far­bi­gen Kett­fä­den und die Dre­hung der Brett­chen. Außer­dem kommt es dar­auf an, in wel­cher Rich­tung die Fäden geschärt wer­den. Das heißt, in wel­cher Rich­tung die Fäden durch die Brett­chen gezo­gen wer­den. All dies wird vor­ab fest­ge­legt und im Schär­brief dokumentiert.

So ent­ste­hen Gür­tel, Bor­ten und Bän­der aus Wol­le oder Sei­de. Im unsicht­ba­ren Netz des Wis­sens fin­det man eine Viel­zahl Schär­brie­fe für wun­der­schö­ne his­to­ri­sche und auch moder­ne Muster.

Nach­dem das Brett­chen­we­ben bei­na­he 500 Jah­re fast völ­lig in Ver­ges­sen­heit gera­ten war, erfreut es sich den letz­ten Jah­ren wie­der grö­ße­rer Beliebt­heit. Wer sich für das Brett­chen­we­ben inter­es­siert fin­det in der Bovelzumft eini­ge Mai­den und auch Recken, die die­se Tech­nik beherr­schen. Sie zei­gen ger­ne, wie eine Brett­chen­bor­te ent­steht. Aber Vor­sicht: manch einer sagt, Brett­chen­we­ben mache süch­tig und man kom­me nicht mehr davon los.